Wellen machen

Die Wellen sind immer noch da, sagt der Junge neben mir. Gerade hat er einen Stein genommen und vor uns ins Wasser geschmissen. Auf dem See breiten sich die kleinen Wellen aus und legen sich wie Kreise um die Stelle, wo der Stein verschwunden war. Das sind gute Wellen, sagt er. 

Er greift einen weiteren Stein und wirft ihn flach zum See hin. Der Stein hüpft zweimal über das Wasser, bevor er versinkt. Der Junge lacht. Die Wasseroberfläche tanzt nun vor lauter Wellenkreisen. 

Worte und Taten sind wie Steine, die Menschen in das Wasser der Zeit werfen. Alles zieht Kreise und hat Folgen. Und manche Welle ist immer noch da.

Da erinnert sich die Frau noch im hohen Alter an die Worte ihres Vaters: Als Junge wärst Du mir lieber gewesen. Das tut bis heute weh.

Der junge Flüchtling aus Syrien erzählt von der ersten Begegnung hier in Deutschland. Ein Mann hat ihn einfach umarmt und gesagt: Schön, dass du da bist. Ich helfe Dir!

Ich schaue mein Leben an. Da haben Worte und Taten von anderen Kreise gezogen. Und manche Welle ist immer noch da. Und Gott war auch dabei. Ich verdanke ihm viel Gutes. Wie damals, als ich den Mut hatte, nein zu sagen und mich gegen ein Unrecht zu wehren. Oder die Ruhe, die in mir entsteht, wenn ich bete und still werde. 

Der Junge reißt mich aus meinen Gedanken. Komm, Du musst auch gute Wellen machen, sagt er. Ich schmunzle: Ob er weiß, wie recht er hat?

 

Lust auf das Leben wünscht Ihnen Ihr Pastor Steffen Paar aus Sülfeld