Alles hat seine Zeit

Die Natur macht es vor.

Erdbeeren wachsen nicht im Winter.

Tomaten erntet man nicht, wenn sie noch grün sind

Kartoffeln gibt es im Herbst

und ohne Frost verreißen einem Schlehen den Mund

 

Alles hat seine Zeit

Nur manchmal habe ich sie nicht

Eines nach dem anderen

Nur manchmal kommt bei mir der zweite vor dem ersten Schritt

Du sollst, du musst

Ich will noch, nur schnell mal, kurz hierher, rasch das

Kennst Du das?

 

Alles hat seine Zeit..nur wohin rennt sie?

Oder bin ich es, der davon rennt?

 

Entschleunigen heißt das neue Zauberwort.

Meine Großeltern kannten das Wort nicht, 

aber was es bedeutet, lebten sie.

 

Wenn sie auf ihrem Gartengrundstück saßen und sich entspannten,

dann entspannten sie.

Ich tue das auch, aber nebenher werden auf dem Smartphone die Mails gecheckt

 

Wenn sie telefonieren, saßen sie auf dem kleinen Stuhl neben der Kommode im Flur,

weil das Telefon ja noch eine Schnur hatte und die nicht so lange war

Wenn ich telefoniere, laufe ich in der Wohnung herum, schalte nebenher die Waschmaschine aus, esse ein Stück Käse, schreibe auf, was demnächst noch eingekauft werden muss.

 

Unsere Generation hat es viel geschickter.

Waschmaschine statt Wäsche von Hand sauber schrubben.

Heizkörper statt Heizen mit Holz und Ofen.

Mail und Whatsapp statt Briefen, auf die man auch mal länger warten muss und die geschrieben werden wollen

 

Eigentlich hätten wir Zeit.

Menschen wie ich Nutzen freiwerdende Zeit, indem wir gleich weitere Dinge tun.

Ich nehme mir nicht die Zeit, ich nehme sie mir weg.

Und Ruckzuck kommt das Leben aus dem Gleichgewicht und ich lebe überall, aber nicht im Moment.

 

In der Bibel heißt es:

 

Für alles gibt es eine Stunde, und Zeit gibt es für jedes Vorhaben unter dem Himmel:

Zeit zum Gebären 

und Zeit zum Sterben,

Zeit zum Pflanzen

und Zeit zum Ausreißen des Gepflanzten,

Zeit zum Einreissen

und Zeit zum Aufbauen,

Zeit zum Weinen

und Zeit zum Lachen,

Zeit des Klagens

und Zeit des Tanzens,

Zeit, sich zu umarmen,

und Zeit, sich aus der Umarmung zu lösen,

Zeit zum Suchen

und Zeit zum Verlieren,

Zeit zum Bewahren

und Zeit zum Wegwerfen,

Zeit zum Zerreissen

und Zeit zum Nähen,

Zeit zum Schweigen

und Zeit zum Reden,

Zeit zum Lieben

und Zeit zum Hassen.

Alles hat seine Zeit.

 

Nicht in der Vergangenheit leben, hätte, wäre, Fahrradkette – sie gehört mir schon nicht mehr

Nicht in der Zukunft leben, wäre, würde, wenn – sie gehört mir noch nicht.

 

Was ist jetzt dran?

Was ist der nächste Schritt?

Welchen Zauber hat der Moment?

Welche Gabe und Aufgabe dieser Tag?

 

Ich stehe manchmal in der Stadt staunend da.

Wohin eilen nur all die Menschen?

Laufen sie dem Leben in die Arme oder

laufen sie nicht eher geradewegs an ihm vorbei?

 

In der Bibel heißt es weiter:

Welchen Gewinn hat, wer etwas tut, davon, dass er sich abmüht?

Ich sah, was Gott den Menschen zu tun überlassen hat. Alles hat er so gemacht, dass es schön ist zu seiner Zeit. Auch die ferne Zeit hat er den Menschen ins Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk, das Gott gemacht hat, nicht von Anfang bis Ende begreifen kann. Ich erkannte, dass sie nichts Besseres zustande bringen, als sich zu freuen und Gutes zu tun im Leben. Und wenn irgendein Mensch bei all seiner Mühe isst und trinkt und Gutes genießt, ist auchdies ein Geschenk Gottes.

 

Im bewussten Gehen, ob man es nun Pilgern nennt oder nicht, ist das Ziel nicht nur irgendein Weg. Das Ziel bist Du und ich.

Ob ich bewusst zur Mülltonne gehe, zum Einkaufen oder auf dem Jakobsweg.

Ein Schritt nach dem anderen.

 

Alles hat seine Zeit.

 

Amen.