Stinkt es?

720 vor Christus. Jerusalem.

Da sind sie im Tempel. Sehen und gesehen werden. Haben Tiere mitgebracht, die im Tempel geopfert werden. Beten. Liegen Gott in den Ohren. Vergib. Hilf, dass alles doch gut wird. 

Worte werden lustlos herunter geleiert. Denken während des Betens, wie sie nachher wieder den Geschäftspartner übers Ohr hauen können. Wie sie der Nachbarin die bösen Worte heimzahlen.

Sie gehen wieder heim. Es stinkt zum Himmel.

 

2015 nach Christus. Deutschland, Frankreich, Irak, Syrien.

Da sind sie in der Kirche, in den Moscheen und Synagogen. Rufen einen heiligen Krieg aus. Kampf gut gegen böse. Wollen Vollstrecker göttlichen Rechts sein, Zeichen setzen.  

Beten. Liegen Gott in den Ohren. Gib uns Kraf. Hilf, dass wir gewinnen. Und die Hände sind schon lange nicht mehr gefaltete, sondern zur Faust geballt. Und die Hände werden nicht mehr zum Himmel erhoben, sondern gegen den Mitmenschen erhoben. Es stinkt zum Himmel.

 

Jesaja, von Gott beauftragt, sagt: 

Was soll ich mit euren vielen Schlachtopfern?, spricht der HERR. Die Brandopfer von Widdern und das Fett der Mastkälber habe ich satt, und am Blut der Stiere, der Lämmer und der Böcke habe ich kein Gefallen. Wenn ihr kommt, um mein Angesicht zu schauen - wer hat denn von euch verlangt, dass ihr meine Vorhöfe zertretet? Bringt nicht länger nutzlose Gaben - mir ein abscheulicher Gestank! Neumond und Sabbat, Versammlungen einberufen - Unrecht und Festtag ertrage ich nicht! Eure Neumonde und eure Feste hasse ich; sie sind mir zur Last geworden, ich bin es müde, sie zu ertragen. Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, schließe ich meine Augen vor euch. Auch wenn ihr noch so viel betet, ich höre nicht hin! Eure Hände triefen von Blut. Wascht euch, reinigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen! 

 

Schaut sie Euch an, die Religionen damals und heute Gehen in Tempel, Moscheen und Kirchen, bringen Opfer, feiern Feste, und kaum haben sind sie zuhause, merkt man es ihnen nicht an. Bitten um Vergebung und machen grad so weiter. Zerpflücken ihre Heiligen Schriften, verwechseln Liebe mit Moral und sich mit Gott. Es stinkt zum Himmel. Und statt Frieden riecht diese Welt nach Krieg.

 

Das sitzt. Tut weh. Es gilt auch uns. Man misst uns an unseren Maßstäben.  Wir wissen ja, was wir tun sollen und was nicht. Wir wollen gut sein. Der Geist ist willig....aber dann, ich muss doch mitmachen, ich komme da nicht raus, es ist zu schwer, ich habe zu viel Angst, bin zu bequem, andere sind noch schlimmer. Es stinkt zum Himmel.

 

Buß- und Bettag. Da geht es nicht ums Fertigmachen. Auch nicht um diese unsinnigen Ausreden am Stammtisch, die Kirche schlecht zu machen, um selber nicht mitmachen zu müssen.

 

Es geht ums wesentliche. Mache Dir nichts vor. Täusche Dich nicht. Im Glauben. In Gott. Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an. Schluss mit dem frommen Gesülze. Ent-täusche Dich. Mache reinen Tisch. Mit Gott. Mit Anderen. Mit Dir.

 

Wo anfangen? Diese Tage bieten dazu viele Bilder. Bei Jesaja heißt es weiter: Hört auf, Böses zu tun! Lernt Gutes tun, sucht das Recht, weist den, der unterdrückt, in seine Schranken! 

 

Buß- und Bettag. Umkehr zu mir. Gebete zu Taten werden lassen. Taten ein Gebet werden lassen. In diesen Tagen, in denen so viel geredet und vermutet wird, vielleicht noch mehr beten?

 Nicht mehr. Nicht weniger. Dass unsere Welt wieder riecht. Nicht nach dem Unrecht, das gen Himmel stinkt, nicht nach dem Blut von Kriegsopfern, oder dem stillen Leid der Unterdrückten. Nicht nach dem Geruch von Sprengsätzen und von Angst.

 

Dass unsere Welt duftet, wenn Menschen sich vergeben, Nein gesprochen wird, wo andere beim Mobben mitmachen, wo man sich in die Hände fällt, das Vertrauen zumindest die Liebe auf den zweiten Blick ist, der Regenwurm von der Straße gerettet wird, dem ein Wort geschenkt wird, mit dem sonst keiner spricht.

 

Hmmmm.

Amen.