Den Spuren auf der Spur

Den Weg in die Glockenstube meines Sülfelder Kirchturms kenne ich schon gut. „Aufpassen“ heißt es bei den Holzleitern, denn in der Mitte sind die Stufen ausgetreten. Wer mag hier schon alles hochgegangen sein?

Handwerker, die voller Tatendrang damals Stein auf Stein den Turm in die Höhe wachsen ließen. 

Küster, die regelmäßig die Gewichte der alten Uhr hochziehen mussten. Ich meine fast den dumpfen Klang ihrer genagelten Sohlen zu hören. 

Jugendliche auf Entdeckungstour, voller Schwung gleich zwei Stufen auf einmal. Hat einer von ihnen sich dort rechts mit dem Messer verewigt?

Sie und andere haben ihre Spuren hinterlassen. Was für einen einzelnen kaum sichtbar ist, verdichtet und vertieft sich im Laufe der Zeit. Davon erzählen schweigend die Spuren in den Stufen. 

Menschen vor uns haben sich von Gott rufen lassen, haben Kraft aus dem Glauben geschöpft. In der Bibel im Hebräerbrief heißt es: Wir werden von ihnen umgeben wie von einer Wolke. Ihr Leben, ihr Zeugnis und ihre Spuren, denke ich weiter, machen uns Mut für den eigenen Weg.

Dem will auch ich folgen. Auf den Spuren, die andere geprägt haben und von denen ich lernen kann. Sie geben mir Sicherheit, um dann auch ganz neue, eigene Wege zu wagen. Ich gehöre dazu: Zur Wolke der Zeugen, zur weltweiten Kirche. Und so stehe ich auf, und gehe weiter. Ehrfürchtig, getrost, schmunzelnd. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest!

 

Pastor Steffen Paar, Sülfeld